Karriere trotz Kind im Jahr 2017

27.02.2017 / Kolumne

„Ich möchte aufgrund meiner familiären Situation in Teilzeit arbeiten.“ „Demnach haben Sie Kinder?“ Mein spitzfindiges Gegenüber darf mich das zwar nicht fragen, aber wenn ich die Antwort jetzt verweigere, ist meine Chance auf die ausgeschriebene Stelle gleich Null. „Ja.“ Dass es drei sind, lasse ich wie im Lebenslauf unerwähnt. Ein Tipp einer guten Freundin. Sie hatte 50 Bewerbungen geschrieben und ihre familiäre Situation mit zwei Kindern offen gelegt, bekam keine positive Resonanz. In der 51. nahm sie diese persönlichen Informationen raus und siehe da, sie wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

Home Office, Teilzeitmodell oder Job Sharing? Als Mutter muss man sehen, wo man auf dem Arbeitsmarkt bleibt. Auch im Jahr 2017.

Über die Un/Vereinbarkeit von Familie und Beruf

„Wie alt sind die Kinder?“ Ohne unhöflich zu erscheinen, dennoch nur die minimalsten Informationen preisgebend, antworte ich: „Sie sind aus dem Gröbsten raus! Die Jüngste kommt bald in die Schule“. Entspricht das der Wahrheit? Genau genommen ist sie erst fünf geworden, sind es noch eineinhalb Jahre bis zu ihrer Einschulung, aber „bald“ ist ja ein dehnbarer Begriff.

An diesem Morgen, vor meinem zu 10 Uhr bestellten Bewerbungsgespräch, habe ich schon Einiges hinter mir: Um vier Uhr plärrt die Kleinste, sodass ich mich auf die Matratze vor ihr Gitterbettchen legen muss. Wir schlafen zwar wieder ein, werden jedoch um fünf von meinem Mann geweckt, der sich in Herrgottsfrühe auf den Weg zur 48 Stunden Dienstreise nach Karlsruhe macht. Ich stehe übermüdet um sechs Uhr auf, bereite Frühstück, Lunchboxen und Rucksäcke vor. Wecke drei Kinder, ziehe sie an. Dann der Super- Gau: Der Große hockt gekrümmt auf der Toilette. Bauchweh, verstopfungsbedingt.

Als Mutter auf dem Arbeitsmarkt

Wie schwer es ist, sich als Mutter auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten, seine Karriere nebst Windeln und Co voran zu treiben und dabei den Mut nicht zu verlieren, hatte ich früher nicht geglaubt. Gender- Debatten im Studium gingen mir auf den Nerv. Ich dachte, mit der Emanzipation der Frau stünde es weiter, würden sich Globalisierung, Digitalisierung und Gleichheitsbestrebungen in der Geschlechterrolle optimaler auf den Arbeitsmarkt auswirken, flexiblere Modelle -wie Teilzeit, Job-Sharing und Home Office – ermöglichen. Den Konkurrenzkampf auf dem deutschen Arbeitsmarkt hatte ich weit unterschätzt.

Home Office, Teilzeit oder Job Sharing?

Dabei muss sich Frau Mutter im Bewerbungsprozess nicht nur gegen männliche Konkurrenz durchsetzen. Immens viele Mütter in der gleichen Lebenssituation befinden sich ebenfalls auf der Suche nach Teilzeitstellen. Sie sind bestrebt Familie und Beruf unter einen Hut bringen und mehr als bereit, dafür alles zu geben. Dabei spreche ich nicht mal vom „Karriere machen um jeden Preis“. Sondern einfach von einer Tätigkeit außerhalb der eigenen vier Wände, die Abwechslung zur Hausarbeit bringt, die die Kommunikation mit anderen Erwachsenen nebst „Mama! Auto da! Und Pipi macht!“ ermöglicht. Die beweist, dass man in der Gesellschaft gebraucht und anerkannt ist und nicht müde belächelt wird als diejenige, die wegen permanenter Kinderkrankheiten mit Fehlzeiten glänzt.

Bin ich eine Rabenmutter, wenn ich eine Karriere nebst Kindern anstrebe?

Als Mutter muss man sehen, wo man auf dem Arbeitsmarkt bleibt.

Die Verstopfung meines Sohnes hatte sich schon am Vortag abgezeichnet, jedoch hatte ich die Vorzeichen ignoriert, darauf setzend, dass sich das Problem von alleine lösen würde. Aber selbst Pflaumensaft und Molvicol- Pulver hatten über Nacht nicht geholfen. Nun musste ich einen kühlen Kopf bewahren und schnell handeln. Ich ließ den Großen alleine daheim (ausnahmsweise), brachte die Mädchen in die Kita (eine Stunde früher als sonst) und suchte eine Apotheke auf. Hier wurde ich ausführlich aufgeklärt, wie man Verstopfung bei Kindern sanft bekämpft und auch nachhaltig in den Griff bekommt. Gut gemeint, aber: „Ich habe einen akuten Notfall, der umgehend behoben werden muss!!!“

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann funktionieren, ganz wunderbar sogar. Ich kenne viele tolle Frauen, die beides unter einen Hut bringen. Sie sind glücklich und so tough! Dass sie dabei oftmals lediglich für die Kitakosten ihrer Kinder arbeiten, steht auf einem anderen Blatt. Je nach Bundesland und Verdienst des Partners ist das Einkommen einer 20 bis 30 Stunden Stelle oftmals gleich der Höhe der Betreuungsgelder. Demzufolge ist die Frage durchaus legitim, ob sich der Stress dann eigentlich rentiert. Ob Frau nicht gleich daheim bleiben sollte, wie in den 1950ern, ganz klassisch, wenn es doch am Ende des Monats eine Nullrechnung ist…

Stressresistent im Bewerbungsgespräch

An diesem Morgen gebe ich meinem Sohn herzklopfend um 8.30 Uhr den ersten Einlauf seines siebenjährigen Lebens. Während ich mich für das nahende Bewerbungsgespräch schminke, entleert er seinen Darm nebenan. Zwanzig Minuten später ist der Alptraum vorbei, ich dusche ihn und frühstücke im Stehen. Ich versuche meine Nervosität zu verbergen, ihn bloß nicht zu hetzen. Natürlich möchte er jetzt nicht in die Schule, aber es geht nicht anders. Ich streife mir wahllos ein Kleid über und frage mein Spiegelbild: „Bin ich eine Rabenmutter, weil ich meine beruflichen Wünsche über das Wohl meines Sohnes stelle?“ Ich setze ihn zur ersten Hofpause in der Schule ab und rase zum Bewerbungsgespräch. Punkt zehn stehe ich in der Tür. Vier Gesichter blicken mich an. Sie sitzen im Halbkreis um den Tisch, die Kaffeekanne ist poliert. „Guten Tag! Sie sehen müde aus, erkältet?“ werde ich spitzfindig begrüßt. Ich setze ein Lächeln auf: „Vielen dank, mir geht’s prächtig!“

–> Weitere Texte dieser Kolumne zu spannenden Themen wie „Krank mit Kind – Von Rotzblasen und Kotzphasen“ oder „Schluß mit Selbstlos: Der Weg zum mütterlichen Gleichgewicht“ findest Du beim Klick auf die Links!



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